Plexiglas schneiden & sägen – so geht's richtig
Plexiglas lässt sich mit dem richtigen Werkzeug sauber auf Maß zuschneiden – von der 1-mm-Folie bis zur 20-mm-Platte aus PLEXIGLAS® GS. Welches Werkzeug für welche Stärke passt und wie Sie Risse, Schmelzspuren und milchige Kanten vermeiden, zeigen wir Ihnen hier aus Sicht unserer Werkstatt.
Das Trennen von Plexiglas ist keine Raketenwissenschaft – aber es gibt ein paar entscheidende Unterschiede zu Holz oder Metall. Die wichtigsten Stichworte: niedrige Schnittgeschwindigkeit, scharfe Werkzeuge und unbedingt die Schutzfolie drauflassen, bis die Platte fertig bearbeitet ist. In über 25 Jahren Werkstattpraxis haben wir zehntausende Acrylglas-Zuschnitte angefertigt und die wichtigsten Erkenntnisse hier zusammengefasst.
PLEXIGLAS® ist ein eingetragener Markenname für Acrylglas (Polymethylmethacrylat, kurz PMMA) der Firma Röhm/Polyvantis. „Plexiglas", „Acrylglas" und „PMMA" meinen im Alltag meist dasselbe Material. Wichtig für das Zuschneiden: Es gibt zwei Herstellungsarten – XT (extrudiert) und GS (gegossen). GS ist spanbarer und bildet sauberere Kanten, XT ist günstiger und weicher zu bearbeiten.
Welches Werkzeug für welchen Zweck?
Die Wahl des Werkzeugs hängt von drei Faktoren ab: der Materialstärke, der gewünschten Kantenqualität und der Menge. Hier sind die fünf Methoden in der Reihenfolge, in der wir sie selbst einsetzen – von einfach bis professionell:
Cuttermesser (nur für sehr dünne Platten bis 1 mm)
DIYDie einfachste Methode – allerdings wirklich nur für sehr dünnes Material geeignet. Mit einem scharfen Cuttermesser und einem Lineal mehrfach entlang der Schnittlinie einritzen (8–15 Züge, je tiefer desto besser). Anschließend die Platte an einer Kante über den Ritz brechen. Achtung: Alles ab 1 mm Materialstärke muss gesägt werden – Ritzen und Brechen führt hier zu unsauberen Bruchkanten und Rissen, die sich bis in die Platte fortsetzen können.
Stichsäge (flexibel für Formen und Kurven)
DIYDie Stichsäge ist die beste Allround-Wahl für den Hobbybereich. Wichtig: ein feinzahniges Sägeblatt speziell für Kunststoffe (Zahnteilung 2–3 mm, kein Holz- oder Metallblatt). Pendelhub ausschalten, niedrige Schnittgeschwindigkeit wählen. Bei längerem Sägen Pausen machen oder mit Wasser kühlen, sonst schmilzt das Material und verschweißt sich hinter dem Sägeblatt wieder.
Hand- oder Tischkreissäge (für saubere gerade Kanten)
DIYFür lange, gerade Schnitte – besonders bei PLEXIGLAS® GS – ist die Kreissäge erste Wahl. Verwenden Sie ein Kunststoff-Sägeblatt mit Wechselzahn (z.B. 60–80 Zähne bei 190 mm Durchmesser). Schnittgeschwindigkeit: 2.500–3.500 U/min. Die Platte muss plan aufliegen und beidseitig gestützt sein, sonst kann sie beim Ausschnitt brechen. Schutzfolie drauflassen. Nach dem Schnitt prüfen, ob die Kante anschließend noch gebrochen oder poliert werden muss.
CNC-Fräse (für präzise Formen und Serien)
ProfiFür komplexe Zuschnitte mit Ausschnitten, Bohrungen oder geschwungenen Konturen ist die CNC-Fräse unschlagbar – hier wird nicht gesägt, sondern gefräst. Das Ergebnis sind maßgenaue Teile mit glatten Kanten, die oft nicht mehr nachbearbeitet werden müssen. Wir fertigen in unserer Werkstatt auf einer Portalfräse mit Vakuumtisch – ideal für Teile ab 1 Stück bis in die Serie. Wenn Sie eine Zeichnung (DXF, DWG, PDF) haben, ist CNC fast immer die Methode der Wahl.
Laserschneiden (für glasklare Schnittkanten)
ProfiDer Laser schneidet PLEXIGLAS® nicht mechanisch, sondern verdampft das Material entlang der Schnittlinie. Das Ergebnis ist spektakulär: hochglänzende, glasklar polierte Kanten direkt nach dem Schnitt – kein Nachschleifen, kein Polieren. Ideal für Sichtkanten, Beschriftungen oder hochwertige Präsentationsteile. Nur PLEXIGLAS® GS liefert top Laser-Ergebnisse; XT neigt zu leichten Spannungen. Hinweis: Polycarbonat darf nicht gelasert werden, es entstehen gefährliche Gase.
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Über unseren Online-Konfigurator können Sie PLEXIGLAS®, Acrylglas und Polycarbonat millimetergenau auf Wunschmaß bestellen – geschnitten auf unserer Felder Kappa Automatic Plattensäge, gefräst auf der CNC-Portalfräse oder gelasert. Zuschnitte ab 1 Stück.
Die wichtigsten Profi-Tipps aus der Werkstatt
Egal welches Werkzeug Sie einsetzen – diese Regeln gelten für alle Methoden und entscheiden über Erfolg oder Frust:
- Schutzfolie bis zum letzten Schritt drauf lassen. Die blaue oder weiße PE-Folie ist nicht nur Transportschutz, sondern schützt aktiv beim Sägen vor Kratzern durch Späne. Erst nach Bohren, Fräsen und Polieren abziehen.
- Schnittgeschwindigkeit niedrig halten. Plexiglas schmilzt bei zu hoher Reibungstemperatur und verschweißt sich hinter dem Werkzeug wieder. Lieber mehrere langsame Durchgänge als einen schnellen.
- Kanten nach dem Schnitt brechen. Frisch gesägte Kanten sind messerscharf und splittern leicht. Mit feinem Schleifpapier (240er Körnung) kurz anfasen – macht die Platte auch sicherer in der Handhabung.
- Für gerade Schnitte immer eine Führung nutzen. Sei es Lineal, Anschlagwinkel oder Parallelanschlag der Säge – freihand wird das nie sauber.
- Bei längeren Schnitten kühlen. Sprühflasche mit Wasser oder Pausen einlegen. Besonders bei dickem GS-Material wichtig.
- XT sägen, GS fräsen. Faustregel: XT und GS lassen sich gut sägen, Beides kann auch gefräst werden.
Typische Fehler und wie Sie sie vermeiden
Die häufigsten Probleme beim Plexiglas-Zuschnitt – und was Sie dagegen tun können:
Ursache: zu hoher Vorschub, stumpfes Werkzeug, Platte liegt ungleichmäßig auf. Lösung: Langsamer sägen, frisches Sägeblatt, Platte beidseitig unterlegen.
Ursache: zu hohe Schnittgeschwindigkeit, Reibungshitze schmilzt das Material. Lösung: Drehzahl reduzieren, kühlen, feinzahniges Sägeblatt verwenden.
Ursache: Platte ist beim Austritt nicht gestützt. Lösung: Opferbrett unterlegen, langsam aus dem Material herausfahren, nicht „durchschießen".
Ursache: Spänenuten zugesetzt, Material schmilzt hinter dem Blatt. Lösung: Pausen einlegen, Blatt reinigen, bei Bedarf Schnittfuge offen halten.
Ursache: Schutzfolie rutscht unter dem Anschlag, Platte verkantet. Lösung: Platte zusätzlich mit Zwingen fixieren, Führungsschiene verwenden.
Ursache: Lösungsmittelkontakt (z.B. Reiniger, Kleber) an gestressten Kanten. Lösung: Kanten vor Kontakt polieren, keine Glasreiniger verwenden.
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Häufige Fragen zum Plexiglas-Schneiden
Womit kann ich Plexiglas zu Hause schneiden?
Für sehr dünne Folien bis 1 mm reicht ein Cuttermesser mit Lineal. Alles ab 2 mm muss gesägt werden – hier funktioniert eine Stichsäge mit feinzahnigem Kunststoff-Sägeblatt gut. Ab etwa 6 mm und für saubere gerade Kanten empfiehlt sich eine Kreissäge. Wichtig immer: niedrige Drehzahl, Schutzfolie drauflassen, langsam arbeiten.
Kann ich Plexiglas mit der Holzsäge schneiden?
Eingeschränkt ja – eine sehr feinzahnige Säge (Zahnteilung 2–3 mm) kann dünnes Plexiglas sägen. Besser sind aber spezielle Kunststoff-Sägeblätter mit Wechselzahn-Geometrie. Normale Holzsägeblätter mit grober Zahnung reißen das Material aus und erzeugen unsaubere Kanten.
Welches Sägeblatt für Plexiglas in der Stichsäge?
Feinzahniges Sägeblatt speziell für Kunststoffe, Zahnteilung 2–3 mm, ohne Hohlschliff. Viele Hersteller (Bosch, Makita, Festool) bieten „T101AO" oder „T308BP" an. Kein Holz-Sägeblatt, das verreißt die Kante.
Wie schneide ich Plexiglas ohne dass es bricht?
Drei Regeln: (1) Langsame Schnittgeschwindigkeit, damit das Material nicht schmilzt. (2) Platte beidseitig unterstützen, damit sie beim Durchtrennen nicht durchbiegt und ausbricht. (3) Schutzfolie drauflassen. Bei Ausschnitten immer Löcher für Sägeblatt vorbohren, nie in das Material „einstechen".
Kann man Plexiglas mit einem Laser schneiden?
Ja, und das Ergebnis ist beeindruckend – der Laser liefert glasklar polierte Schnittkanten ohne Nachbearbeitung. Am besten funktioniert es mit PLEXIGLAS® GS. Wir nutzen das Laserschneiden für Sichtkanten und hochwertige Präsentationsteile. Wichtig: Polycarbonat darf nie gelasert werden (gefährliche Gase).
Was ist günstiger: selber schneiden oder bestellen?
Für einfache Quadrate oder Rechtecke aus dünnem Material lohnt sich der Eigenaufwand oft nicht – ein Zuschnitt auf Maß kostet 1–5 € Bearbeitungsgebühr und spart Werkzeugkosten plus Zeit. Bei komplexen Formen, Ausschnitten oder Sichtkanten ist der professionelle Zuschnitt praktisch alternativlos. Unseren Zuschnitt-Konfigurator finden Sie im Shop.
Kann ich Acrylglas und PLEXIGLAS® mit den gleichen Methoden schneiden?
Ja. „Plexiglas" ist ein Markenname für Acrylglas (PMMA) – die Bearbeitungseigenschaften sind bei allen Marken gleich. Ob Sie PLEXIGLAS® von Röhm, Acrylglas anderer Hersteller oder gegossenes PMMA verarbeiten, macht keinen Unterschied beim Zuschneiden.