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PLEXIGLAS® bohren ohne Risse – so geht's richtig

Ein Loch in eine PLEXIGLAS®-Platte zu bohren ist keine Kunst – es sei denn, die Platte reißt. Und das passiert schneller als gedacht: falscher Bohrer, zu hohe Drehzahl oder zu wenig Abstand zur Kante, und schon läuft ein Spannungsriss quer durch die Platte. Hier zeigen wir Ihnen aus 25 Jahren Werkstattpraxis, welcher Bohrer zu welchem Acrylglas passt, mit welchen Drehzahlen Sie ungefähr arbeiten sollten und wie Sie Risse zuverlässig vermeiden.

Bohrer-Auswahl für Acrylglas Grobe Drehzahl-Richtwerte Risse zuverlässig vermeiden

PLEXIGLAS® zu bohren unterscheidet sich spürbar vom Bohren in Holz oder Metall. Der Grund: Acrylglas ist spröde, wärmeempfindlich und steht im Material immer unter leichter Spannung. Jede ruppige Bewegung kann einen Riss auslösen, der sich über die ganze Platte zieht. Mit dem richtigen Bohrer, passender Drehzahl und ein paar einfachen Regeln funktioniert es aber zuverlässig – auch am Küchentisch mit einer normalen Handbohrmaschine.

Die drei wichtigsten Regeln auf einen Blick

1. Bohrer mit flachem Spitzenwinkel (60–90°) oder speziell umgeschliffenen HSS-Bohrer verwenden. 2. Niedrige Drehzahl (500–1.000 U/min bei mittleren Durchmessern) und wenig Vorschub. 3. Mindestabstand zur Plattenkante: das Doppelte des Bohrerdurchmessers. Wer sich daran hält, bohrt PLEXIGLAS® praktisch rissfrei.

Welcher Bohrer für PLEXIGLAS®?

Nicht jeder Bohrer funktioniert auf Acrylglas. Das Problem normaler Metallbohrer: ihre Spitze mit dem steilen 118°-Winkel „beißt" sich nach dem Durchdringen der Oberfläche regelrecht durchs Material. Beim Austritt reißt die Platte dann an der Unterseite aus – oder schlimmer, sie springt. Für sauberes Bohren gibt es drei praktikable Lösungen:

🎯

Kunststoffbohrer (die beste Wahl)

Empfohlen

Spezielle Kunststoffbohrer haben einen flacheren Spitzenwinkel (60–90°) und oft leicht negative Spanwinkel. Sie schneiden das Material ab, statt es zu verdrängen – das Ergebnis sind saubere, runde Löcher ohne Ausrisse. Hersteller wie Bosch, Wolfcraft, kwb oder Famag bieten Kunststoffbohrer in allen gängigen Durchmessern von 3 bis 12 mm. Aus unserer Sicht die klar beste Option, wenn Sie regelmäßig mit PLEXIGLAS® arbeiten.

Spitzenwinkel60–90°
Durchmesser3–12 mm
ErgebnisSehr sauber
MaterialdickeAlle gängigen
🔧

Umgeschliffener HSS-Metallbohrer (DIY-Lösung)

DIY

Ein normaler HSS-Metallbohrer lässt sich mit einem Schleifstein so umschleifen, dass er auch für Acrylglas geeignet ist: Spitze flacher anschleifen (Richtung 90°) und die Schneidkante leicht stumpfer machen. Das reduziert das „Einhaken". Wer nur gelegentlich PLEXIGLAS® bohrt, kann sich damit die Anschaffung eines Spezialbohrers sparen. Wichtiger Hinweis: scharfe HSS-Bohrer ohne Anpassung liefern bei dünnen Platten oft gute Ergebnisse, bei dickem Material über 4 mm wird es aber schnell kritisch.

Spitzenwinkel~90° (nachgeschliffen)
DurchmesserAlle gängigen
ErgebnisAkzeptabel
PreisVorhandene Bohrer
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CNC-Fräse (für Präzision und Serien)

Profi

Wenn viele Löcher exakt in Position sitzen müssen – zum Beispiel bei Lüftungsgittern, Lampenabdeckungen oder Montageplatten – lohnt sich der professionelle CNC-Service. Auf unserer Portalfräse mit Vakuumtisch bohren wir nicht nur, sondern fräsen die Löcher konisch aus, was Spannungsrisse praktisch ausschließt. Für Serien oder komplexe Lochbilder ist das meist günstiger als Einzelanfertigung in Handarbeit – und exakt nach Ihrer Zeichnung (DXF, DWG, PDF).

Toleranz±0,1 mm
DurchmesserAb 1 mm
ErgebnisPerfekt
Sinnvoll ab2 Löchern

Grobe Drehzahl-Empfehlung (Richtwerte)

Die Drehzahl ist beim PLEXIGLAS®-Bohren entscheidend: zu langsam – der Bohrer rupft und reißt. Zu schnell – das Material schmilzt, der Bohrer verschweißt sich im Loch. Als Faustregel gilt: Je größer der Durchmesser, desto langsamer die Drehzahl. Die folgenden Werte sind Richtwerte aus unserer Werkstatt – ohne Gewähr, weil Drehzahl, Vorschub und Material-Typ (XT/GS) immer zusammenspielen. Fangen Sie bei neuen Projekten lieber mit einer Testbohrung am Reststück an und tasten sich heran.

Bohrerdurchmesser Ungefähre Drehzahl Vorschub
3 mm1.500–2.000 U/minLeicht, stetig
4–6 mm1.000–1.500 U/minMittel
8–10 mm800–1.200 U/minMittel
12 mm500–800 U/minGering

Hinweis: Werte sind Richtwerte ohne Gewähr. Die optimale Drehzahl hängt vom Bohrer, Material und der Bohrtiefe ab und kann abweichen.

Keine Lust auf Risse? Wir bohren für Sie.

Auf unserer CNC-Portalfräse mit Vakuumtisch bohren und fräsen wir Ihre PLEXIGLAS®-Teile exakt nach Zeichnung – mit garantiert rissfreien Löchern in jedem Durchmesser. Ob einzelne Bohrung oder komplexes Lochbild: Wir liefern millimetergenau und oft schneller als Sie selbst bohren könnten.

Die wichtigsten Profi-Tipps aus der Werkstatt

Diese Regeln machen den Unterschied zwischen sauberem Loch und Ausschuss:

  1. Schutzfolie drauflassen. Die PE-Schutzfolie verhindert, dass Späne die Oberfläche verkratzen und reduziert das Ausreißen rund um das Loch.
  2. Immer mit Opferbrett arbeiten. Legen Sie die Platte auf ein Stück Sperrholz oder MDF. Der Bohrer taucht unten ins Holz ein statt die Acrylglas-Unterseite auszureißen.
  3. Mindestabstand zur Kante einhalten. Faustregel: das Doppelte des Bohrerdurchmessers. Bei 8-mm-Bohrer mindestens 16 mm Abstand zur nächsten Kante. Weniger = Rissgefahr.
  4. Beim Austritt langsam werden. Kurz bevor der Bohrer unten durchkommt, den Vorschub reduzieren. Der letzte Millimeter ist der kritischste – hier entstehen die meisten Ausbrüche.
  5. Vorbohren bei größeren Löchern. Löcher über 8 mm zuerst mit einem 3-mm-Bohrer vorbohren, dann auf Endgröße erweitern. Das verteilt die Belastung.
  6. Bei dickem Material kühlen. Ab 8 mm Plattenstärke gelegentlich mit Wasser oder Sprühflasche kühlen, damit sich das Material nicht erhitzt und schmilzt.
  7. Bohrlöcher entgraten. Nach dem Bohren bleibt oft ein feiner Grat um das Loch. Mit einem Senker, einem größeren Bohrer von Hand oder feinem Schleifpapier kurz brechen. Das verhindert, dass später eingesetzte Schrauben Spannung ins Material bringen und Risse auslösen.

Typische Fehler und wie Sie sie vermeiden

Die häufigsten Probleme beim PLEXIGLAS®-Bohren – und was Sie dagegen tun können:

⚠ Sternförmige Risse vom Loch

Ursache: zu hoher Druck, zu schneller Vorschub, falscher Bohrer. Lösung: Kunststoffbohrer nutzen, Druck reduzieren, Drehzahl senken.

⚠ Ausrisse an der Unterseite

Ursache: kein Opferbrett, zu viel Druck beim Austritt. Lösung: Unbedingt Holz unterlegen, am Ende langsam bohren.

⚠ Ovales statt rundes Loch

Ursache: Bohrmaschine nicht senkrecht geführt, Material verrutscht. Lösung: Ständer oder Bohrständer nutzen, Platte festzwingen.

⚠ Material schmilzt, Bohrer klemmt

Ursache: zu hohe Drehzahl, zu wenig Vorschub. Lösung: Langsamer drehen, gleichmäßig vorschieben, bei Bedarf kühlen.

⚠ Riss läuft von Loch zur Plattenkante

Ursache: Abstand zur Kante zu gering. Lösung: Mindestens 2× Bohrerdurchmesser Abstand einhalten, Kante vorher brechen.

⚠ Spannungsrisse erst nach Tagen

Ursache: innere Spannungen durch Reibungswärme. Lösung: Mit Kunststoffbohrer arbeiten, Löcher bei dickem Material nach dem Bohren kurz „tempern" (Platte 2h bei 70°C im Ofen lagern).

Häufige Fragen zum PLEXIGLAS®-Bohren

Welcher Bohrer ist der beste für PLEXIGLAS®?

Spezielle Kunststoffbohrer mit flachem Spitzenwinkel (60–90°) sind die beste Wahl – sie schneiden das Material, statt es zu verdrängen. Erhältlich bei Bosch, kwb, Wolfcraft oder Famag in allen gängigen Größen. Alternative: normaler HSS-Metallbohrer mit leicht stumpfer geschliffener Spitze. Holzbohrer sind ungeeignet, sie erzeugen Ausrisse.

Wie bohre ich PLEXIGLAS® ohne Risse?

Drei Regeln: (1) Richtiger Bohrer – Kunststoffbohrer mit 60–90° Spitzenwinkel. (2) Niedrige Drehzahl – je größer der Durchmesser, desto langsamer (z.B. 8 mm Bohrer mit 800–1.200 U/min). (3) Mindestabstand zur Kante – das Doppelte des Bohrerdurchmessers. Beim Austritt zusätzlich das Tempo reduzieren und ein Opferbrett unterlegen.

Welche Drehzahl beim PLEXIGLAS®-Bohren?

Grobe Richtwerte (ohne Gewähr): 3 mm Durchmesser mit ca. 1.500–2.000 U/min, 6 mm mit ca. 1.000–1.500 U/min, 10 mm mit ca. 800–1.200 U/min, 12 mm mit ca. 500–800 U/min. Generell: je größer der Durchmesser, desto langsamer die Drehzahl. Zu hohe Drehzahl lässt das Material schmelzen. Am besten mit einer Testbohrung an einem Reststück die passende Drehzahl herantasten.

Kann ich PLEXIGLAS® mit einer normalen Handbohrmaschine bohren?

Ja, ohne Probleme – wichtig ist nur, dass die Maschine eine einstellbare Drehzahl hat. Akku-Bohrmaschinen funktionieren meist besser als netzbetriebene, weil sie drehzahlstabiler laufen. Besser ist aber ein Bohrständer, damit der Bohrer wirklich senkrecht eintaucht. Ohne Bohrständer läuft das Loch leicht oval.

Welchen Mindestabstand zur Kante muss ich beim Bohren einhalten?

Faustregel: mindestens das Doppelte des Bohrerdurchmessers. Bei einem 6-mm-Bohrer also mindestens 12 mm Abstand zur nächsten Kante. Bei dickerem Material (ab 10 mm) lieber das Dreifache nehmen. Wenn der Abstand zu knapp ist, läuft ein Spannungsriss vom Loch zur Kante und die Platte ist unbrauchbar.

Warum reißt meine PLEXIGLAS®-Platte beim Bohren?

Die häufigsten Ursachen: (1) falscher Bohrertyp (Holz- oder scharfer Metallbohrer mit 118°-Spitze „reißt" beim Durchstoß), (2) zu hoher Vorschub oder Druck, (3) zu dicht an der Kante, (4) kein Opferbrett untergelegt, (5) Schutzfolie vorher entfernt. Alle fünf Punkte beheben – dann reißt praktisch nichts mehr.

Kann ich Acrylglas und PLEXIGLAS® mit den gleichen Bohrern bearbeiten?

Ja. „PLEXIGLAS®" ist ein Markenname für Acrylglas (PMMA) – das Bohrverhalten ist bei allen PMMA-Marken identisch. Ob Sie PLEXIGLAS® von Röhm, Acrylglas anderer Hersteller oder gegossenes PMMA bohren, macht keinen Unterschied: gleiche Bohrer, gleiche Drehzahlen.

Was hilft gegen schmelzende Späne beim Bohren?

Wenn die Späne beim Bohren glasig und klumpig werden statt krümelig abzufallen, ist die Drehzahl zu hoch. Drehzahl reduzieren und gleichzeitig mit einer Sprühflasche Wasser die Bohrstelle kühlen. Gut für das Material, gut für den Bohrer – und die Bohrung wird sauberer.